Huhuman

Marianne Madernas apotropäische HUHUMAN . Eva Badura-Triska

Lapidar hängen flache Figuren aus fluoreszierendem grünem Plexiglas in den Ausstellungsräumen des der Art Brut gewidmeten museums gugging und treten mit den hier beheimateten Werken in Dialog. HUHUMAN nennt sie Marianne Maderna – wie einen Kinderschreck für Grown-ups –, und die Reflexion über Verwandtschaften und Berührungspunkte mit den Arbeiten der KünstlerInnen aus Gugging ist ebenso stimulierend wie aufschlussreich. Piktogrammartig zeigen diese Gestaltungen immer wiederkehrende archetypische menschliche Verhaltensmuster. Es ist Madernas ungezähmter Blick in den Narrenspiegel der menschlichen Gesellschaft – ein Welttheater, wie sie es nennt. Das soziologische Geflecht mit seinem ewigen – für sie überwiegend männlichen – Machtstreben und der Unterwerfung anderer ist ein immer wiederkehrendes Thema ihrer Arbeit. Präzise beobachtet und notiert sie das unaufhörliche Wechselspiel zwischen der Überheblichkeit und dem Imponiergehabe der Big Rulers und dem angstvollen oder devoten Verkrümmt- und Gebücktsein jener, die getreten werden. Zu den stereotypen Charakteren dieses Spektakels zählen die „kopflosen Krawattitüden“, oder jene, deren Köpfe mit ihren Tablets bereits untrennbar verwachsen sind und die mit diesem Kopf-Ersatz lässig-arrogant „herumstehen“. …………………………………Auch sind Penisse zu überdimensionalen Fortsätzen geworden, die gleichzeitig Schwert und Gewehrlauf sind – die uralte Verbindung von sexueller Potenz, Aggressivität und Kampfeslust. Mit diesen Figuren reiht sich Marianne Maderna ein in die Geschichte jener Kunst, die all diese Facetten der menschlichen Natur schonungslos sowie meist noch überzeichnet zur Schau stellt und auf ebendiese Weise anprangert: von Hieronymus Bosch, Pieter Breughel, Francisco de Goya, Edward Munch über Käthe Kollwitz, Hannah Höch hin zu Keith Haring und anderen. Sie alle halten der Gesellschaft einen Spiegel vor Augen, in der Absicht Reflexion, Einsicht und Umkehr zu bewirken. Maderna geht es allerdings noch um mehr als nur um das Aufzeigen und Mahnen. In besonders hohem Maße ist ihr Anliegen das Prognostizieren und Warnen sowie vor allem das Abwehren. Das Apotropäische, den Unheil abwendenden Abwehrzauber als uralte Funktion der Kunst sieht sie auch als Zweckbestimmung dieser Werke. ………………………………..Es sind künstlerische Rituale, die Maderna inszeniert, bestimmt vom Glauben an die weiterhin bestehende Relevanz und Möglichkeit der apotropäischen Funktion der Kunst, gleichzeitig aber auch mit einer humorvoll augenzwinkernden Nähe zu zeitgenössischen Welterlösungs-Comics. Im Art Brut Museum Gugging treten Madernas Figuren nun mit den Werken der dortigen KünstlerInnen in Dialog………………………………… ……………………………….. Beobachtungen werden ebenfalls zu Spiegeln und Mahnern, und auch diese KünstlerInnen wollen durch das Bannen auf eine Bildfläche in magischer Weise Ängste abwehren und vor Unheil schützen……… …………………………

connected  .  Marianne maderna im Dialog mit den Künstlerinnen aus Gugging . Mit Beiträgen von: Eva Badura-Triska und Kurator Johann Feilacher. .  Art Brut Museum Gugging  . Residenz Verlag:. ISBN 978 3 7017 3525 9