MARIANNEMADERNA


18. Juni - 31. August 2009

Kuratorin: Goschka Gawlik

Info:uszynska.schaufenster@gmx.at






Ecke Gumpendorferstrasse/Fillgradergasse, 1060 Wien



Marianne Maderna :
Positive Geister dem Gegenüber


Interview mit Goschka Gawlik

GG: Du bezeichnest Dich als Künstlerin und Bildformerin. In deinem Garten außerhalb von Wien hast Du eine transparente Großskulptur platziert. Diese Stele wirkt wie eine Webe, welche nach oben wächst. Im Gegenteil zu den Bäumen rundherum scheint sie aber nicht richtig verwurzelt zu sein. Was für ein Hypes Wesen ist das?

MM: ein positiver Geist

GG: Vor der fragilen Figur weitet sich ein weiches Grasbett aus. Haben diese Geister sexuelle Identität?

MM: - nur einen vagen menschlichen Umriss! Bei anderen darauffolgenden Skulpturen haben die Konturierungen entweder männliche oder weibliche Gestalt. Es gibt davon drei Arten “skulpturaler Wesen”. Eine besteht aus einem Hauch. Die andere wird durch Linien gebildet und die Dritte ist ein Hauch und eine Linie.

GG: Das klingt verführerisch, nach “platonischem Schattenreich”. Wie verhalten sich diese von dir erfundenen Giants des Bodenlosen zum sogenannt Realen?

MM: Die ersten Figuren waren tatsächlich der Realität enthoben und die Linienfiguren werden bei Dunkelheit sichtbarer. Die Idee dazu entstand bei Beobachtungen von im Gegenlicht stehenden Menschen, deren imaginäre Konturen dadurch nachgezeichnet wurden. Diese Gestalten nehmen verschiedene, sich von den positiv besetzten Hauchfiguren unterscheidende, Körperhaltungen von Menschen ein, - geben ihre Zustandsgebundenheit wieder. Kann sein, - ein Bezeichnendes des “Gezeichneten”, welches das Kürzel einer traumähnlichen Leere zeigt.

GG: In deinen fotografischen Arbeiten scheinen dagegen aber ganz konkrete Personen verkörpert zu werden. Wie auf diesem T-Shirt im Schaufenster.

MM: Die Gestalt auf dem T-Shirt übernimmt die Grundhaltung des weiblichen Rückenaktes, auf dem bekannten Bild von Man Ray: Violon d´Ingres (1924). Das ist eine signifikante Darstellungsweise des weiblichen Körpers durch den männlichen Blick. In diesem Fall bedeutet dies das Auslassen von Extremitäten. Es betrifft nicht nur den Rückenakt, sondern auch die stark vermediatisierte Vorderansicht wie im Fall der Venus von Milo. Auch Man Ray hat die Frau auf ihre reine Reproduktionsfunktion reduziert als Resonanzkasten, ein Musikinstrument, die Violine.

GG: Du hast aber auch das Kopftuch manipuliert. Es scheint kein Decorum mehr zu sein?

MM: Ich habe diesen, damals von der High Society getragenen modischen orientalisierenden Turban gegen den allgemein üblichen Hidjab ausgetauscht, der auch heute noch, von westlichen Nonnen im Alltag, benutzt wird.

GG: Warum hast Du ein T-Shirt als Bildträger ausgewählt?

MM: Seit Woodstock, seit 68, ist es in der westlichen Popkultur üblich, sämtliche Gottesikonen oder auch andere Symbole des sakralen Universums auf Massenbildträgern abzubilden. Heute ist das ein globales Konsumverhalten und wird von allen Generationen mit Freude und Genuss akzeptiert.

GG: Die Frau auf dem T-Shirt trägt eine im Rücken versenkte Schrift, - God the Mother, - eine Art Stigmatisierung, die unsere Glaubensgewohnheiten etwas stört oder sogar aus den Fugen bringt.

MM: Bei Man Ray war das der in den “Geigenkasten” des weiblichen Körpers eingestanzte Violinschlüssel. Ich beziehe diese Form des Stanzens auf eine Skarifizierung, die in den Stammeskulturen als rituelle Einschreibung bei Initiationsriten vorkommt. Meine Arbeit aktualisiert das männlich besetzte Gottessymbol, in heutigen Zeiten des Wechsels, d.h. des Übergangs von der männlichen zur auch weiblich besetzten Gottheit als ein Teil des allgemein geforderten menschlichen Bedürfnisses, - als “der weibliche Part vom Ganzen”.

Juni 2009